Denken ist DIE pädagogische Grundlage der Schulen © Susanne Dorendorff,

Denken – darin sind wir uns alle einig – Denken ist DIE pädagogische Grundlage der Schulen – Ohne Gedanken ist Bildung nicht möglich. Gedanken müssen fixiert werden, um nachhaltig bestehen zu können. Man schreibt sie auf.  Schreiben ist also die Basis aller Bildung. 

Das heißt: Aufschreiben ist Denkschreiben oder Schreibdenken – also Denken und Schreiben in Einem (2 in 1), zwei in einem Federstrich. Gedankenfluss und Schreibfluss sollten also möglichst synchron verlaufen. Das können sie nicht, denn Denken ist schneller als Schreiben, weil wir in fertigen Wörtern formulieren und nicht – wie bei der Druckschrift und dem Tastschreiben, die Wörter aus Einzelbuchstabenzusammensetzen müssen. „Tipper“ und „Drucker“ sind die „Wegschnecken des Schreibprozesses“. Sie bleiben auf der Strecke, sobald es um Leistungsoptimierung geht.

Beide, die Fließgeschwindigkeit der Gedanken und die Geschwindigkeit der Handbewegung müssen zu einem dualen System verschmelzen. Das heißt, sie werden cerebral-motorisch oder besser: „hirn-händisch“ selbsttätig miteinander verknüpft. Aus dieser Verbindung entwickelte sich im Laufe der Zeit eine Hand-schreib-Technik, die das Fixieren der Gedanken entschieden erleichterte: die Technik des manuellen Verbindens spezieller Schriftzeichen. Mit großem Erfolg: das Alphabet der lateinischen Schreibschrift begann ihren Siegeszug vor mehr als 500 Jahren und wurde die Schrift der Gelehrten genannt. Gedanken konnten von nun an flott per Hand und mit einem Stift in persönlicher Handschrift aufgeschrieben werden.

Das Alphabet der lateinischen Schreibschrift ist das Ausgangsmaterial für die Technik des Handschreibens, also dem Fixieren fließender Gedanken in eigener Schrift. Und weil diese Art des schreiben Lernens, ein spezielles, ergonomisch und physiologisch durchdachtes und obendrein leicht zu erlernendes Alphabet erfordert, ist das Design der lateinische Schulschreibschrift so, wie es seit 1953 zur Verfügung steht: schnörkellos und leicht variierbar.

Die lateinische Schulschreibschrift ist als einziges Alphabet „dynamisch“, weil es im Gegensatz zu allen anderen Schriften, so konzipiert ist, dass es zum Verändern durch kleine Kinderhände geeignet ist. Alle anderen Alphabete sind „statisch“. Das heißt, sie taugen nicht für händisches Schreiben, geschweige denn zum Variieren. Die lateinische Schreibschrift ist also die Handschrift-Vorlage für jedermann – sprich: für jedes Kind. Sie ist eine „Ausgangsschrift“. Die Handschriften, die die Kinder davon ableiten, können der Vorlage nicht 1:1 entsprechen und sollen es auch nicht. Demzufolgekommt der Optik der persönlichen Kinderschrift eine besondere Rolle zu. Der Handschriftduktus, die „typische Handschrift“ der Kinder entsteht quasi selbsttätig aus der Harmonie heraus, sobald die Hirn-Hand-Bewegung und die Lesbarkeit übereinstimmen. Schreiben geht dann leicht von der Hand. Das ist das Ziel. Die lateinische Schreibschrift ist ein Medium, das den Menschen ermöglicht, die  mental-manuelle Reflektionstechnik „Handschrift“ zu beherrschen und überall ausüben zu können.

Das bedeutet: Praktizierter Handschrift-Erwerb ist DAS Zeichen pädagogischer Verantwortung.

Die Buchstaben der Schulalphabete Druck- bzw. Grundschrift und die der sogenannten Vereinfachten Ausgangsschrift, werden nicht in „einem Zug“ geschrieben und auch nicht verbunden, sondern aus senkrechten, diagonalen und runden Teilsegmenten gebildet und aus unverbundenen Einzelzeichen nach dem „Baukastensystem“ aneinandergereiht. Dies permanente Anheben und Absetzen des Stiftes führt zu Bewegungsunterbrechungen, die den Fließanspruch des Schreibens konterkarieren. Zu fließendem „Denkschreiben“ (im Sinne intellektueller Leistungsoptimierung) sind sie nicht geeignet.

So, wie die lateinische Schreibschrift immer ein Zeichen für Bildung und Fortschritt ist, so ist die Druck-bzw. „Grundschrift“ (gemäß der Freinet-Didaktik) das Zubehör einer kommunistisch-sozialistischen Ideologie für „Kinder der Unterdrückten“ aus den 1920er Jahren, mit dem Credo „Kindern das Wort geben – egal wie sie schreiben, ohne Regeln und ohne Vorschriften “.

Das daraus resultierende ersatzlose Streichen des Schreibunterrichts in der Grundschule vor über vier Jahrzehnten und der damit verbundene Verdrängungsprozess der lateinischen Schreibschrift, verursachten ein desaströses Bildungsdefizit : 14% (7,5 Millionen) erwerbstätige „funktionale“ Analphabeten in Deutschland! Mit steigender Tendenz. Der volkswirtschaftliche Schaden ist nicht abzusehen.

Deshalb ist die Wiedereinführung des Schreibunterrichts ab Klasse 1 und die Rückkehr zur lateinischen Schreibschrift aus wissenschaftlicher, bildungspolitischer und pädagogischer Sicht unbedingt erwünscht. Physiologen, Neurobiologen und Psychologen bestätigen dies und unterstützen diese Forderung.

Denn Denken – darin sind wir uns ja alle einig – Denken ist DIE pädagogische Grundlage der Schule und Schreiben ist die Königsklasse der Pädagogik.

Ich bin sicher, alle Grundschullehrerin würden sehr gern und erfolgreich Handschrift-erwerb unterrichten, gäbe es einen Lehrstuhl für Handschrift- und Rechtschreib-Didaktik.

Text, Bilder und Grafik und © Susanne Dorendorff, im März 2013, www.europhi.de

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