Denkschrift des DVLI zum “Schicksal der Schreibschrift in der Grundschule”

Denkschrift des DVLI  (Deutscher Verband der Lehrer  für Informationsverarbeitung e. V.) zu

Schicksal der Schreibschrift in der Grundschule

Anlässlich der unbefriedigenden und verunsichernden Diskussionen durch die Medien, welche Schreibschriftvariante in der Grundschule gelehrt werden soll, hat der DVLI-Vorstand am 01.08.2012 zu dieser Problematik ungefragt in Form einer ausführlichen Denkschrift Stellung bezogen, da die Bildungspolitik merkwürdigerweise zögert, in die Diskussion wirksam einzugreifen.

Die wichtigsten Kernpunkte dieser Denkschrift sind:

  1. 1.       Die in Deutschland seit längerem weiterhin eingeführte „Vereinfachte Ausgangsschrift“ (VA) hat sich als Flop erwiesen und muss abgelöst werden. Die aktuell in der Diskussion stehende und in Schulen teilweise schon eingeführte „Grundschrift“ (GS), in der die Wörter durch unverbundene Druckbuchstaben dargestellt werden, bedeutet allerdings einen weiteren kräftigen Rückschritt „vom Regen in die Traufe“. Infrage kann nur die bundesweite Wiedereinführung der lateinischen Schreibschrift kommen, da wir einerseits die deutsche Sprache als Grundverständigungsmittel in Deutschland bejahen und andererseits sogar die Stenografie (Deutsche Einheitskurzschrift) bundeseinheitlich gilt und amtlich ist!
  2. Die unverbundenen Druckbuchstaben der GS eignen sich ganz und gar nicht als Gebrauchsschrift, denn die schreibende Hand verlangt nach Verbindung. Ein Verzicht auf das Verbinden erschwert das Erkennen der Wortgrenzen, und die Schreibgeschwindigkeit wird spürbar abgebremst.
  3. In der GS stehen die Abstriche senkrecht. Die funktionale Anatomie der schreibenden Hand verlangt  jedoch unbedingt nach Schrägstellung (Kursivität). Das optimale Vorbild für Kursivität liefern weltweit die kursiven Stenografiesysteme; in ihnen gibt es keinen einzigen senkrechten Strich.
  4. Da die lateinische Schreibschrift die Buchstaben verbindet, die Buchstaben in ihr kursiv geschrieben werden und die Zeichen der modernen Stenografiesysteme im wesentlichen Teilzüge der Buchstaben der lateinischen Schreibschrift sind, bereitet die lateinische Schreibschrift in idealer Weise auf den späteren Übergang zur Stenografie vor. Die DGS dagegen hat zur Stenografie keine Beziehung und bietet für sie daher keine Anknüpfungspunkte.
  5. Die „Erfinder“ der „Grundschrift“ als Schreibschrift scheinen keine Kompetenz für Fragen der Schreibschrift, für Schriftökonomie, für die funktionale Anatomie der Schreibhand und für Schreibpädagogik erworben zu haben.
  6. Im Hinblick darauf, dass Deutschland eine relativ hohe Quote von Analphabeten hat, welche sogar steigende Tendenz aufweist, besteht dringender Handlungsbedarf. Die Ständige Konferenz der Kultusminister muss in Richtung auf Wiedereinführung der lateinischen Schreibschrift schnellstens handeln, indem sie einen entsprechenden verbindlichen Beschluss fasst und für dessen Durchsetzung an allen deutschen Grundschulen sorgt.

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