Das e ist leicht zu schreiben und macht Spaß.

Das e ist leicht zu schreiben und macht Spaß. Auf dem e bauen andere Buchstaben auf, so dass sehr schnell ganze Wörter geschrieben werden können. Auf diese Weise entwickeln die Kinder munter und problemlos ihre persönliche Schreibtechnik schon vom kleinen e ausgehend. Diese einfache Bewegung ist ausschlaggebend für gute Handschriften.

Kinder müssen zu ihrer Handschrift hingeführt werden, so wie jedes Kind an die  Muttersprache geführt wird. Kein Kind wird geschubst, wenn es nicht sofort laufen kann. Niemand knebelt ein Kind, weil es nicht gleich alles richtig ausspricht. Aber beim Schreibenlernen, da wird gedroht, geschimpft und gestraft.

Und das alles bringen die Schüler in Verbindung mit Schreiben – ihr Leben lang. Kein Wunder also, dass Schreiben ein schlechtes Image hat.

Die kindliche Wahrnehmung macht die Handschrift-Findung aufregend und einzigartig. Aber eben auch, weil Kinder hochsensibel reagieren und empfänglich für emotionale Schwankungen sind. Bevor Sie unruhig werden, bedenken Sie, die Hand des schreibenden Kindes ist nicht oder doch nur sehr bedingt willentlich steuerbar. Wer schimpft oder „mehr-Mühe-geben“ fordert, macht die Handschrift immer schlechter und Jungen zu nachhaltigen Schreibkriegsfüßlern.

Gerade weil mit allen Sinnen geschrieben wird, bringt das Schreiben auch so viele Emotionen hervor. Für Mädchen zumeist gute, für Jungen bisher fast nur schlechte – was sich dann (aufgrund der beteiligten Emotionen) immer wieder potenziert…

Schreiben lehren ist ein ebenso verantwortungsvoller wie inspirierender Weg, der die Herzen und Hände der Kinder öffnen kann. Die Beweglichkeit der Kinderhände verrät viel über ihr Wesen, ihre Emotionen und ihre Befindlichkeit.

Das ist ja gerade das Faszinierende daran, dass  man nicht weiß, wie die Handschrift wird. Man kann sie nur erahnen.

Die Handschrift zu entdecken hat wenig mit Rationalität, aber viel mit Wertschätzung und Wahrnehmung zu tun. Es geschieht völlig frei und folgerichtig, und macht die Persönlichkeit des Kindes stabiler.

Ich finde es sehr ermutigend, dass trotz aller Kommerzialisierung der Grundschule, die Handschriften der Kinder nicht unter ideologisch-dogmatische Kontrolle zu bekommen sind. Das ist das größte Glück. Und darauf bauen wir auf.

Fazit

Die Kinder lernen Schreiben nicht für Einkaufzettel und nicht nur um Liebesbriefe zu schreiben, sondern ganz allein für sich selbst, weil die Handschrift sie mit der Welt in Verbindung hält, sie ist die Lebensspur die bleibt, wenn alles andere längst vergangen ist.

© Susanne Dorendorff 2014

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