Die 5 Basisfaktoren der Handschrift-Ästhetik / Handschrift hat ein Alleinstellungsmerkmal

Zur Unterscheidung von Kalligrafie und “Schönschriften” wurden die fünf Haupteigenschaften der Handschrift (schon vor zwanzig Jahren) von mir eruiert und bestimmt, weil die Schrift der Hand eine eigene Kategorie innerhalb des Schriftenkanons ist, mit einem so deutlichen Alleinstellungsmerkmal, dass die nicht mit anderen Schriften verglichen werden darf. Handschriften sind kein “Alphabet”, denn sie bilden keinen in sich geschlossenen Schriftzeichenkanon wie alle typografischen Schriften. Handschift ist keine Typografie!  Zu diesem Thema gehört auch die Lern-Schreibschrift -  sie ist ebenfalls ein Alphabet mit Alleinstellungsmerkmal, weil sie verändert werden muss und soll.

Ich bezeichne 5 Basisfaktoren der HandschriftÄsthetik auch nur als Handschrift-Ästhetik (oder kurz: die Big Five). Und wenn hier von Ästhetik die Rede ist, dann ist damit nicht das Aussehen (die Schönheit) der Handschrift gemeint, sondern nur die Voraussetzung, due “Zutaten” dafür, das heißt: Weil Handschriften

1. echt, 2. spontan, 3. individuell, 4. emotional und 5. unregelmäßig

sind, ist diese Schrift eine Handschrift, fehlt eine der Eigenschaften (zum Beispiel die Unregelmäßigkeit), dann ist es keine Handschrift. Die Big Five bescheren jeder Handschrift – egal ob attraktiv und schön oder unlesbar und krakelig – das Prädikat der Einzigartigkeit unter allen Schriften.  Die fünf Eigenschaften authentisch, spontan, individuell, emotional und asymmetrisch hat nur die Schrift der Hand. Sie prägen ihren Ausdruck und ihre Form – sie bezeichnen die Gesetzmäßigkeit, also die LOGIK des Schreibens mit der Hand. Sie belegen, dass Schönschrift (Kalligrafie), weil sie künstlich, ausgearbeitet, uniform, konstruiert und symmetrisch ist, als Antipode, also das absolute Gegenteil von Handschrift verstanden werden muss.  Die Big Five hauchen der Handschrift Leben ein: Womit auch geschrieben wird, sie sind immer mit von der Partie. Jede Handschrift, ob von Kindern, mit Bleistift oder „erwachsenen Edelfedern“ geschrieben, mit künstlerischer Energie oder von zittriger Greisenhand, immer ist sie echt, spontan, individuell, emotional und unregelmäßig.  Erläuterung Echt/authentisch ist sie, weil sie der einzigartigen, unverwechselbaren und nur dieser einen, spezifischen „Gehirnfestplatte“ des Schreibenden entspringt, weil nur er auf diese Weise schreiben kann.  Spontan ist sie, weil sie geschrieben wird, ohne an die Buchstaben zu denken, also ohne speziellen Gestaltungswillen. Individuell ist sie, weil keine zwei Schreibweisen identisch sind. Intuitiv/emotional ist sie, weil sie unmittelbar an den unbewussten (emotionalen) Schreibbewegungsablauf gebunden ist. Asymmetrisch ist sie, weil natürliche, emotionale Schreibbewegungen zu exakter Uniformität nicht in der Lage sind.    Die Big Five sind die Quelle der Handschriftvitalität, jener starken Ausdruckskraft, die in der sino-japanischen  Kultur hoch verehrt, im Westen hingegen von Anfang an nicht verstanden wurde. Doch genau die emotionale Vitalität der Handschrift ist es, die sie auf eine Stufe mit jeder anderen Ausdrucksästhetik stellt, wie zum Beispiel mit der des Tanzes (Bewegung), des Schauspiels (Gestik/Mimik) und des Gesangs (Stimme). Diese Position begründet die Ausbildungswürdigkeit der Handschrift. Und weil allen Künsten vergleichbare Ausdruckskriterien immanent sind wie die Big Five, ist die Handschrift natürlich auch kunstfähig. Weder Bildhauerei, Malerei noch Musik beziehen von ihren Schöpfern einen vergleichbar hohen authentischen „Input“, der in fließend geschriebenen Handschriften nahezu selbsttätig und aus einer inneren Quelle zu sprudeln scheint.

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