Die Schrift ist schuld?

Eine Schrift ist eine Schrift ist eine Schrift. Bis auf eine! sind alle lebloses Design. Weniger noch, als Schnaps Schnaps ist. Und noch viel weniger als eine Rose. Buchstaben können im Verbund zwar Krach schlagen oder Liebeslieder mitsingen. Aber sie können nichts dafür, sie tun nichts dazu, dass das geschieht. Das war der Mensch, der sie aneinanderreihte.

Buchstaben sind hilflose Instrumente, die sich nicht wehren können, die dem Ja und Amen ausgeliefert sind wie das Leuchten des Mondes der Sonne. Wozu sie auch benutzt werden, sie können sich nicht verweigern. In keiner Sprache. Selbst als sie noch aus Blei waren, lagen sie nur da und warteten auf Benutzung: „Pack mich – ich will ein Wort werden!“ oder wenigstens ein „Ah!“ oder „OH!“

Heute heißt es zwar eher: “Tipp mich!“ Aber die Leblosigkeit der Schriften ist geblieben. Es ist ihre Aufgabe, tot zu sein.

Bis auf eine. Eine Schrift gibt es, deren einziger Sinn ist es, so zu tun, als sei sie lebendig. Sie soll auf Papier von Kinderhänden verbogen werden bis zur Unkenntlichkeit, bis zum Geht-nicht-mehr. Sonderbar-lesbar. Es ist die Schreib-Lern-Schrift der Schulanfänger (Fachausdruck: Lateinische Schreibschrift). Sie kann gezerrt und verformt werden, wie Kaugummi. Das macht sie so liebenswert. Sie macht das Schreibenlernen leicht. Und spannend. Sie lässt sich alles gefallen. Alles. Und jedem Kind schenkt sie eine eigene. Die lebensbegleitende, eigene Handschrift. Sie kann ohne Wasser fließen und vermehrt sich wie verrückt. Wie Wasserflöhe.

Doch im Ursprung bleibt auch sie immer gleich.

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