NDR Debatte: Wer bestimmt, was Kinder lernen? Stand: 22.04.2017 00:01 Uhr – Lesezeit: ca.1 Min.

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Mein Kommentar dazu: Ihre Sendungen sind hochinteressant, weil sie ein heiß diskutiertes Thema behandeln. Ich erlaube mir, mich dazu zu äußern, da ich mich seit 30 Jahren „mittendrin“ befinde. Richtig sollte das Thema wohl lauten „Wer bestimmt, was die Kinder NICHT (mehr) lernen?“ Wissen Sie nicht, dass seit 1969(!) sowohl die Lehr- als auch die Lernmaterialien (Bücher, Hefte usw.) für die Grundschule von denselben Personen erstellt werden, die auch einen Großteil der Lehrstühle (für Grundschulpädagogik) innehaben und die Kultusminister(konferenz) beraten, also unmittelbar an der Gestaltung der Lehrpläne mitwirken?
Die Personen sind in einem ideologisch festgelegten, privaten Verein zusammengeschlossen, der die Grundschulbildung (und damit auch die der weiterführenden Schulen) fest im Griff hat, scheint autorisiert zu sein, in Eigenregie und ungeprüft zu bestimmen, was an der Grundschule nicht mehr gelehrt wird. Und das ist allerlei. 7,5 Millionen Analphabeten sprechen eine deutliche Sprache. Auch dass es seit 40 Jahren millionenfach Legastheniker und anderweitig grundschulgeschädigte Kinder gibt, ist ein Indiz für einschlägig unkontrollierte Machtausübung dieser Vereinigung. Kleiner Einblick in deren bizarre Methoden: So wurde 1969 ohne wissenschaftliche oder andere seriöse Begründung der Schreibunterricht aus den Lehrplänen gestrichen, weil er angeblich nicht mehr opportun war. Die Schreibschrift hatte man gegen Druckschrift ausgetauscht (weil dies die Kosten der Fibel-Herstellung minimierte). Seitdem müssen die Kinder sich die Schrift und das Schreiben im Do-it-yourself-Verfahren (ohne pädagogische Hilfe [Lehrer sind im Alphabetisieren nicht mehr ausgebildet] allein beibringen. Auf Initiative der genannten Personen in Kooperation mit der KMK wurde das Schreiben der Schreibschrift offiziell 2001 aus den Lehrplänen gestrichen (dies aber bis heute nicht ordentlich bekanntgegeben). Der Verein hat inzwischen vier Schulschriften initiiert, die allesamt weder wissenschaftlich noch sonst wie evaluiert wurden und zu erschreckenden Schreibproblemen führen. Seit 1980 – berichtet der Grundschulverband in einer seiner Fachzeitschriften – wissen wir, dass an der Spitze der „Grundschulpädagogik“ fachfremdes Personal mit vollkommen unwissenschaftlichen
Voraussetzungen die Geschicke der Schulbildung steuert. Das Personal ist weder selbst im Alphabetisieren ausgebildet worden, noch ist es qualifiziert, Grundschulpädagogen darin auszubilden. Und tut es ja auch nicht, sondern reagiert auf Anregung aggressiv und unbelehrbar, aber immer „juristisch abgesichert“. Um auf Ihre Frage zurückzukommen: An der Spitze dessen, was Kinder lernen sollen, befindet sich ein renitentes, destruktives, bildungsfeindliches Wirrwarr, das – wenn man es freundlich formulieren will, als ein „verantwortungsloses Vakuum“ bezeichnet werden muss. Wir müssen uns neben dem Unterricht auch um die Einhaltung der Menschenwürde in der Grundschule kümmern. Denn Schreibenlernen ist Menschenrecht. Das darf man nicht verweigern.
Die besseren, weil hilfreicheren Fragen wäre deshalb wohl:”Wer bestimmt, was Kinder NICHT lernen dürfen?” und „Wann dürfen Kinder wieder lerenen?”

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